Die Legende von fingotec

Die Legende von fingotec

Titelbild
 
Es war einmal vor langer, langer Zeit geschehen, in einer Zeit, wo unmögliche Dinge einem Jeden tagtäglich passieren konnten.
So gilt auch diese für uns heute wunderliche Geschichte, von der jungen Frau, die nichts lieber tat als aus verschiedenen Materialien etwas zu gestalten, zu jener Zeit, als fast normal.
Die junge Frau lebt allein in einem kleinen Haus am Rande eines kleinen Dorfes. Alle ihre Verwandten, bis auf einen, von dem niemand weiß wo er lebt, sind schon verstorben. Dennoch fühlt sich die junge Frau, die auch Steinfrau genannt wird, nicht einsam. Sie hat Beschäftigung, liebt was sie Tut und kann die eine oder andere Figur an Reisende, die vorbeiziehen verkaufen.
Sie ist sehr hübsch, dennoch findet sie keinen Mann. Für die Leute im Dorf gilt sie als eine merkwürdige Person, da sie mit ihren Figuren spricht.
 
Der weiße Stein
Eines Tages passiert es. Es ist dieser weiße Stein aus dem sie eine Figur machen will. Er will ihr nicht so gelingen wie jede der anderen unzähligen Figuren. Die Meißel an dem Stein scheinen sich von selbst zu bewegen und die Form herauszuschlagen. Dann greift sie ohne es zu wollen zur Handbohrmaschine und bohrte oben ein Loch in den Stein hinein. Ein zweiter, kleinerer Stein, der als Kopf dienen soll, wird ebenso, wie von Zauberhand geführt, ausgeschlagen und zu einem Gesicht geformt.  Auch in den Kopf wird oben ein Loch hineingebohrt.
 Danach ist sie müde, will eine Pause einlegen um der mystischen Bildhauerei zu entkommen und etwas Preiselbeersuppe zu sich nehmen. Aber stattdessen holt sie ungewollt Draht und eine Zange und beginnt Drahtstücke zu schneiden und um Steinstückchen zu biegen. Die drei angedrahteten Steine steckt sie, immer noch von Zauberhand geführt, mit Leim in das Bohrloch am Kopf. Der Rumpf und der Kopf werden noch mit einem Stück Metallstange verbunden, so dass der Kopf sich in alle Richtungen drehen kann.
Nun ist die junge Frau gänzlich erschöpft, als sie plötzlich ein lautes: „Danke!“ vernimmt. Es ist die Steinfigur, die zu ihr spricht. Sie ist jedoch zu ermüdet um dieser Begegnung weitere Beachtung zu schenken und schläft bis zum anderen Morgen durch.
 
 
Der Ideenentspringer
Am nächsten Morgen erwacht die Steinfrau gut gelaunt auf, reckt ihre Arme in die Höhe und überlegt laut: „So, was muss ich denn heute alles machen?“
Sie steht auf, streckt noch ein wenig ihren Körper und sagt mit gähnender Stimme: „Ah, erst mal Frühstücken.“ Nachdem sie sich den Frühstückstisch schön zurecht gemacht hat, fällt es ihr nach und nach wieder ein. „Da war doch noch was?“, sagt sie fragend zu sich selbst. „Ach ja, ich habe doch gestern diese merkwürdige Steinfigur gemacht, die mich gar nicht mehr loslassen wollte. Sie holt den kleinen steinigen Freund und setzt ihn mitten auf den Küchentisch: „Ja, du bist mir vielleicht ein kleiner Freund. Wie ist mir nur so eine komische Figur in den Sinn gekommen? Mit drei Antennen am Kopf, als wenn bunte Ideen aus deinem Kopf herausspringen wollen.“ „So“, sagt sie kurz überlegend, „welcher Name würde wohl zu dir passen? Ja, du bist mein Ideenentspringer.“
Die junge Frau bemerkt gar nicht, dass sie schon eine Weile durchs Küchenfenster beobachtet wird. Es ist der Nachbar, der ihr ein paar Eier bringen möchte. Er klopft an, geht hinein. „Guten Morgen Frau Izusa. Na, hast du einen neuen sprechenden Steinfreund?“ sagt er lachend als er die Steinfigur erblickt. Er gibt ihr die Eier mit den Worten: „Einen schönen Tag noch und rede nicht so viel mit den Steinen. Zum Reden sind die Menschen da, sonst wirst’ am Ende noch ganz verrückt“, lacht, geht weiter und verschwindet schon wieder durch die Tür.  Keiner hält sich gerne lange bei ihr auf; außer die Reisenden, die, im Gegenteil zu den Einheimischen, die Steinfrau sehr bemerkenswert finden. „Danke, und ich heiße nur Izusa und nicht Frau Izusa! „ruft sie dem verständnislosen Nachbarn noch schnell hinterher.
Sie hatte sich den Namen Izusa vor einem Jahr selber gegeben, nachdem ein Reisender, indianischer Abstammung, erzählte, dass Izusa, bei den Indianern, weißer Stein bedeuten würde. Das gefiel der Steinfrau und seitdem nennt sie sich Izusa. Den Namen hat sie sogar ganz groß in ihre Haustür eingeritzt.  Es sollten gleich alle wissen.
Nach der morgendlichen Aufregung beißt sie erst mal genüsslich in ihr Frühstücksbrot. Im selben Moment sagt eine laute Stimme zu ihr: „Danke, nein.“ Izusa erschrickt, blickt zur Tür, aber da ist niemand mehr. Dabei verschluckt sie sich auch noch und muss so tüchtig husten, dass sie erst mal aufstehen muss um richtig atmen zu können. „Izusa, bitte nicht erschrecken“ sagt die Stimme.  „Ich bin`s dein Steinfreund. Danke, dass du mich gemacht hast und du hast recht ich bin ein Ideenentspringer, aber für dich möchte ich Kaela heißen. Kaela bedeutet nämlich FREUND.  Iss ruhig weiter und lass uns ein wenig plaudern.“ sagt die Steinfigur und wackelt ein wenig mit ihren Antennen.
Izusa will nicht glauben, dass der Stein zu ihr spricht und sagt selbstbewusst: Ich bin diejenige, die zu den Steinen spricht und nicht umgekehrt. Du hast ja noch nicht mal einen Mund sagt sie zu der Figur. Jetzt wackelst du sofort noch mal mit den Antennen sonst glaube ich die kein Wort mehr. Dann wird ihre Stimmer leiser und sie fragt sich: „Bin ich vielleicht jetzt doch verrückt geworden?“  Kalea wackelt sofort ganz heftig mit den 3 Antennen und sagt: „Izusa, glaube mir bitte, ich spreche mit dir.“ Die junge Frau ist ängstlich und zornig zugleich, packt die Steinfigur und will sie in die Ecke schmettern. Aber das kann sie niemals tun, dafür liebt sie ihre Figuren zu sehr. Dann beruhigt sie sich wieder und sagt zu ihm: „Ok, du hast mir bewiesen, dass du zu mir sprichst, da du sofort mit den Antennen gewackelt hast.“ Der Steinfreund unterbricht sie und spricht: „Izusa, danke dass du mich auserwählt hast. Ich habe keinen Mund und keine Augen aber ich kann dennoch sprechen und dich sehen. Du bist wunderschön, vertraue mir. Du wurdest auserwählt, da du mit den Dingen sprichst, mit Steinen mit Hölzern und mit eben alles wovon die Menschen meinen es wäre nicht lebendig. Izusa wir sind dir dankbar dafür. Wir alle, die du zum Leben erweckt hast. Du glaubst an uns und dafür sind wir dir dankbar. Izusa ist gerührt von diesen Worten. Freud- und Leidtränen kullern gleichzeitig aus ihren großen Augen. „Ich freue mich,“ sagt sie mit leiser Stimme. „Ich freue mich, dass ich endlich einen Freund habe und du bist auch wunderschön. „Komm Kaela“ sagt sie nun frohen Mutes, lass und in den Garten gehen. Ich zeige dir meinen Garten. Die Kirschen sind schon reif“, nimmt ihn in die Hand und läuft durch die Hintertür zum Garten hinaus. „Schau Kalea, diese vielen dicken, saftigen Kirschen. Noch nie hatte ich so viele Kirschen an diesen Baum“, sagt sie begeistert. „Ich weiß“, antwortet der kleine Steinfreund. „Du hast dich letztes Jahr so sehr liebevoll um die Bäume gekümmert. Die Bäume sagen jetzt „danke“ zu dir“, spricht er weiter.

„Woher weißt du das?“, fragt Izusa zurück. ...

  

(Fortsetzung folgt)